SGfK-Movie Time

Nachdem in den Jahren 2009 und 2010 regelmässig Filmabende stattfanden, pausiert dieses Angebot derzeit ...
Auch wenn die Stimmung immer sehr angenehm war, war leider  die Teilnehmerzahl zu gering, als dass ein richtiger Austausch möglich gewesen wäre. Wir danken Marc Stoll für sein Engagement.

... bei genügend Interesse könnte
vieleicht ein neuer Start riskiert werden ...

Interessenten an: Kontakt

Rückblick über die 2009 und 2010 aufgeführten Filme: 


Antwone Fisher (USA, 2002)

Fisher Datum: Freitag, 5. Nov. 2010, ab 19:00

Ort: Praxis Konradstrasse 54, Zürich

Darsteller: Denzel Washington, Derek Luke


Inhalt:
Aufgrund zahlreicher Gewaltausbrüche muss der Matrose Antwone Fisher den Navy Psychologen aufsuchen, der ein Gutachten über ihn erstellen soll. Antwone ist, anfangs zwar zögernd und verschlossen, zunehmend bereit, sich dem Psychologen anzuvertrauen und sich den Schatten der Vergangenheit zu stellen. Was dabei hervorbricht sind die Schatten einer albtraumhaften Kindheit.

Fazit:
Der Film basiert auf einer wahren Geschichte und erinnert in seinem Wesen stark an die Beziehung zwischen Matt Damon und Robin Williams im Film Good Will Hunting (1997). Es geht aber nicht nur um die Auswirkung von Adoption, Rassismus und Missbrauch, sondern eher auf den sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Gegenwart.


Wie im Himmel (Schweden, 2004)

himmel
Datum: Freitag, 24. Sept. 2010, ab 19:00

Ort: Praxis Konradstrasse 54, Zürich

Darsteller: Michael Nyqvist, Frida Hallgren
Inhalt:
Nachdem der renommierte Dirigent Daniel einen Herzinfarkt erleidet, beendet er seine internationale Karriere und zieht sich in sein Heimatdorf in Schweden zurück. Obwohl er eigentlich seine Ruhe haben will, lässt er sich überreden, den örtlichen Kirchenchor zu leiten. Nach und nach erfährt Daniel so von den Sorgen und Nöten des bunt zusammengewürfelten Chors. Seine Anwesenheit wird zu einem Katalysator für alte Sehnsüchte und schwelende Konflikte. Falsch verstandene Frömmelei, Gewalt, Neid und Eifersucht sind nicht mehr länger zu übersehen.
Fazit:
Ein Film mit wunderbarer Musik, herrlichen Bildern und herausragenden Darstellern, der nicht nur das Herz der Protagonisten, sondern auch der Zuschauer öffnet. Der Film regt an, sich selbst zu finden und eigenen unerfüllten Träumen nachzuspüren.


Bliss. Im Augenblick der Lust (1997)

Bliss Datum: Freitag, 28. Mai 2010, ab 19:00
Ort: Praxis Konradstrasse 54, Zürich
Darsteller: Craig Scheffer, Sheryl Lee
Film-Infos: Amerikanisches Therapie-Drama, Länge: 90 Minuten.

Inhalt:
Joseph ahnt schon bei der Hochzeit, dass es mit Maria nicht leicht werden wird, aber er liebt sie und begleitet sie regelmässig zu ihren therapeutischen Sitzungen. Als er dort erfährt, dass sie ihm ihre sexuellen Höhepunkte nur vorspielt, beginnt eine Zeit der völligen Ratlosigkeit, aber auch der Neuorientierung. Als er zusätzlich herausfindet, dass Maria heimlich einen Sexualtherapeuten mit zwielichtigen Methoden aufsucht, will er beim „Sex-Guru“ die Beendigung der Therapie erzwingen. Stattdessen erreicht der Therapeut, dass nun Joseph zu ihm kommt und lernt, sich selbst und dadurch auch seine Frau anders zu lieben. Seinen eigenen Körper zu akzeptieren wie er ist und über seine Motivationen Klarheit zu bekommen.

Fazit:
Der Film ist die ideale Grundlage für Diskussionen Rund ums Thema Sexualität und Sexualtherapie. Auch wenn er polarisiert und zwischenzeitlich wie eine Verfilmung eines fernöstlichen Therapiebuchs daherkommt, bietet er gerade wegen seiner Themenvielfalt ein Sammelsurium an spannenden Fragen. Sexueller Missbrauch, Borderline, Paartherapie, Heilung mit Hilfe sexueller Energie wie auch Fragen über Ethik und Psychotherapie am Rande der Legalität werden aufgenommen.


Enigma. Eine uneingestandene Liebe (2005)

Enigma Datum: Freitag, 12. März  2010, ab 19:00
Ort: Praxis Konradstrasse 54, Zürich
Themenabend: Liebe
Darsteller: Mario Adorf, Justus von Dohnanyi
Film-Infos: Verfilmung des gleichnamigen
Theaterstückes von Eric-Emmanuel Schmitt, Länge: 80 Minuten.


Inhalt: Der „wertsensible“ Literaturnobelpreisträger Znorko hat sich auf eine norwegische Insel zurückgezogen, wo er „existenzsuchend“ wie auf einer Festung lebt. In dieser Einsamkeit schreibt er differenzierte Bücher über das menschliche Verhalten. Sein neuestes Buch - „Die uneingestandene Liebe“- besteht aus einem leidenschaftlichen Briefwechsel eines Mannes und einer Frau. Ein Provinzjournalist will herausfinden, wie viel Wahrhaftiges und Autobiografisches darin verborgen liegt. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung wird deutlich, wie brüchig und aufgesetzt die jeweiligen Rollen sind.

Fazit: Ein spannendes verbales „Charakterstruktur-Duell“ zweier Männer, die zwar über die Liebe reden und schreiben, sie aber nicht leben. Ein Film mit hervorragenden Darstellern in „inkongruenten“ Rollen. Es ist sehenswert, wie „die Felsen in der Brandung“ mit der Zeit immer brüchiger werden.


The Woodsman (2004)
am Freitag, 27. November 2009, ab 19:00

Darsteller: Kevin Bacon, Benjamin Bratt
Fim-Infos: Drama aus USA, Länge: 87 Min

Inhalt: Nach 12 Jahren Gefängnis wird Walter, verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, in eine Welt entlassen, die er kaum noch kennt und die ihn nicht kennen will. Walter versucht ein normales, unauffälliges Leben zu führen. Regelmässig besucht er einen Psychotherapeuten, mit dem er seine Ängste und Fortschritte bespricht. Doch seine Umwelt begegnet ihm mit Misstrauen, Ablehnung und Hass. Allein seine Arbeitskollegin Vicki versucht ihn nicht nach dem zu beurteilen, was er vor Jahren getan hat. Zwischen den beiden könnte eine Liebe entstehen, aber Walter lebt in ständiger Angst vor Repressalien. Vor allem aber der Angst vor seinen eigenen Impulsen und Gefühlen, die durch die Bekanntschaft mit einem jungen Mädchen wieder auszubrechen drohen.

Fazit: Das Drama nimmt weitgehend die Erzählperspektive seines Protagonisten ein. Ein Film, der „Täter“ und „Opfer“ einbezieht. Es ist Realität, dass wir es nicht einfach mit Monstern, sondern mit Menschen zu tun haben. Der Film zeigt eindrücklich den Kampf eines aus dem Gefängnis entlassenen Sexualstraftäters mit der Gesellschaft und vor allem mit sich selbst. Im Kontext der aktuellen öffentlichen Diskussion über Sexualstrafftäter ist das eine Wohltat.


Ben X (2007)
am Freitag, 11. September 2009, ab 19.00

Darsteller: Greg Timmerman
Film-Infos: Drama aus Belgien, Länge: 93 Min.
Gewinner des Motreal World Film Festivals 2007

Inhalt: Der jugendliche Ben ist seit seiner Kindheit ein Aussenseiter. Die virtuelle Welt der Online-Computer-Spiele gibt ihm Halt und Orientierung. Zunehmend verschwimmen für ihn aber die Grenzen zwischen virtueller Realität und Wirklichkeit. Nach diversen Abklärungen wird die Diagnose eines Asperger-Syndroms  gestellt. Doch was bringt das Ben? Statt mit Verständnis reagiert die Umwelt mit Ausgrenzung, von Hänseleien im Kindergarten bis zur systematischen Schikane in der Schule. Mit der Ausweitung des Mobbings auf den Cyberspace sieht sich Ben hilflos einer öffentlichen Demütigung ausgesetzt.

Fazit:Mobbing, Ignoranz, Suizidalität, Entfremdung sowie Flucht in künstliche Welten werden im belgischen Spielfilm eindrücklich thematisiert. In reportageartigen Interviewsequenzen kommen Bens Eltern, Psychologen, Lehrkräfte und Mitschüler/innen zu Wort. Ihre verschiedenen Sichtweisen auf das Geschehen runden das Gesamtbild der Ereignisse ab und zeigen die Vielschichtigkeit der Problematik auf. Die Geschichte ist wie ein spannender Krimi aufgebaut und regt zum Nachdenken an.


"Was ist mit Bob?
Ein Film mit Bill Murray und Richard Dreyfuss
am Freitag, 5. März 2009, ab 19.00

Inhalt: Der unterkühlte rationale Psychoanalytiker und Psychiater Leo Marvin ist mit sich zufrieden. Er hat ein Selbsthilfebuch mit dem Titel „Baby-Schritte“ veröffentlicht und freut sich auf seinen Auftritt im Fernsehen. Wenn da nur nicht der neurotische Kindskopf Bob wäre. Bob ist von seinem Therapeuten begeistert und glaubt, dass er ohne diesen nicht mehr Leben kann. Er folgt dem Analytiker in den Urlaub und ruiniert dessen TV-Auftritt. Zu guter Letzt freundet er sich noch mit der Familie des Psychiaters an. Das ist zuviel für den gequälten Therapeuten. „Bob muss unbedingt weg . Tot oder lebendig“.

Fazit: Eine überdrehte Komödie für alle, die sich mal jenseits der „rogerschen Akzeptanz“ bewegen wollen. Eingetrocknete Einsichten eines scheinbar selbstsicheren Psychotherapeuten prallen auf ein "irre" Lebensführung eines Patienten. Die wunderbar gegensätzlichen Schauspieler machen aus der «Patient nervt Psychiater»- Farce eine Persiflage, die von Katastrophe zu Katastrophe genüsslich eskaliert bis dem Psychiater die Sicherungen durchbrennen. Da fragt man sich zwangsläufig: „Wer ist da der Irre?“

Auch wer sich nicht gerne klischierte Filme über Psychotherapeuten anschaut, tut meines Erachtens gut daran, mindestens einen solchen Film gesehen zu haben. Gemäss einer Studie der Universität Hamburg stammt nämlich das Bild, das ein Grossteil der Bevölkerung vom Psychologen hat, aus Filmen wie dem hier ausgewählten.





 

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1998 erstellt von Sigrun Gürschner